Stärker in die Zukunft!

Tourismus - KSK Heinsberg 2019 - Bericht an die Gesellschaft

Tourismus

„Wir müssen unsere Stärken selbstbewusster aufzeigen“

Birgit Wilms-Regen, Inhaberin des Haus Wilms in Wassenberg-Effeld, über die Folgen von Corona für die Gastronomie und über den Neustart in der Zeit danach.

Der Anfang der Corona-Krise liegt nun schon einige Monate zurück. Was war denn für Sie der Zeitpunkt, an dem Sie gemerkt haben: Das ist eine Krise, die hatten wir in der Form noch nicht?

Das ist im Nachhinein wirklich schwer zu sagen. Zu Anfang des Jahres hatte ich noch gedacht, dass wir vor einem großartigen Jahr stehen, denn wir waren bis September ausgebucht. Natürlich haben wir wie alle die Nachrichten verfolgt, aber anfangs war ja alles noch weit weg. Im Februar hatten wir Betriebsferien, dann war eine Woche lang geöffnet, und plötzlich hieß es, Restaurants dürften nur noch bis 15.00 Uhr öffnen. Wir hatten zunächst eine Woche lang freiwillig geschlossen, um die Lage zu sondieren, konnten anschließend noch eine Woche lang Veranstaltungen durchführen. Dann mussten wir dicht machen.

Was haben Sie in dieser Situation gemacht?

Für mich war es wichtig, so viel wie möglich zu regeln. Ich habe mich zum Beispiel darum bemüht, die Voraussetzungen zu klären, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeitergeld bekommen. Das war auch für mich selbst eine Beruhigung. Insgesamt ist unser Team in der Zeit hervorragend mitgegangen. Wir haben eine tolle Mannschaft, auf die ich sehr stolz bin. Wichtig ist natürlich, dass man offen kommuniziert und erklärt, warum man bestimmte Maßnahmen durchführt. Wir haben uns auch in der Zeit ohne Gäste immer wieder Aufgaben mit dem Team gesetzt, beispielsweise das Weinlager überprüft oder kleinere Renovierungen durchgeführt. Das waren wichtige kleine Impulse, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigten, dass sie gebraucht werden.

Wie liefen Vernetzung und Austausch zwischen den Gastronomen und Hoteliers der Region in dieser Zeit?

Wir haben uns im Kreis sehr schnell vernetzt. Dafür haben wir eine Initiative gebildet, uns über WhatsApp ausgetauscht und ein Organisationsteam gegründet, um über die Lage zu beraten, Fragen zu klären und uns gegenseitig zu helfen. Für mich war es gut, dass ich schon in den vergangenen Jahren damit begonnen hatte, mich als Unternehmensberaterin in der Gastronomiebranche zu positionieren. Dadurch hatte ich schon eine Struktur aufgebaut, um Kolleginnen und Kollegen aktiv zu unterstützen. Das war, bei allen Härten, auch eine schöne Zeit der Zusammenarbeit. Wir haben durchaus einiges an Aufmerksamkeit und Resonanz in Politik und Öffentlichkeit erreicht. Es wäre schön, wenn die Vernetzung auch über die Krise Bestand haben könnte. Niemand kann und wird diese Zeit alleine überstehen. Die Einzelbetriebe hier in der Region sollten zusammenarbeiten, so wie die großen Ketten es vorleben. Dann sind wir auch viel stärker und wettbewerbsfähiger nach außen.

Die Region Heinsberg hat in den vergangenen Jahren einiges unternommen, um sich als touristische Marke zu positionieren. Hat sich das ausgezahlt?

Den Aufbau einer touristischen Marke rund ums das „Heinsberger Land“ fand ich sehr sinnvoll, sowohl in gastronomischer als auch in kulinarischer Hinsicht. Wir haben uns da auch an vielen Stellen mit eingebracht. Wie sich das konkret ausgezahlt hat, ist vielleicht schwer zu überprüfen. Aber die Aktivitäten hatten eine gute Reichweite und haben sicher dazu beigetragen, die Region bekannter zu machen.

Ich denke aber, dass man definitiv noch mehr machen könnte. Gerade jetzt, wo die Region mit einem Stigma, einst Corona-Epizentrum gewesen zu sein, klarkommen muss, wäre es nötig, eine große Kampagne aufzusetzen und nach außen zu kommunizieren, was die Stärken des Kreises sind. Wir haben schöne Landschaften, ein tolles Freizeitangebot und gutes Essen. Und wir haben das Thema Corona ausgezeichnet gelöst. Ich behaupte mal, es gibt wenige Regionen, wo sich die Gäste sicherer und besser aufgehoben fühlen können als hier. Das sollten wir selbstbewusst nach außen tragen.

Wie haben Ihre Gäste in der Krise reagiert? Gab es Rückmeldungen?

Wir sind ein alteingesessenes Haus und haben viele Stammgäste. Die schätzen unsere familiäre Atmosphäre und die ausgezeichnete Qualität. Viele haben sich bei uns gemeldet, über Facebook oder per E-Mail nachgefragt und uns ermutigt. Manche kamen sogar bis aus Krefeld angefahren, um sich bei unserem Abholservice Essen zu holen. Und als wir am 11. Mai wieder öffnen durften, haben sich viele Gäste wieder angemeldet. Aber man merkt doch auch, dass die Unsicherheit bei manchen Gästen groß ist. Das wird uns sicher noch eine ganze Weile beschäftigen.

Es ist ja schwer einzuschätzen, ob die Krise schon vorbei ist oder noch andauert. Worauf muss man achten, wenn man als gastronomischer Betrieb wieder Fahrt aufnehmen möchte?

Es gibt natürlich zunächst einmal eine ganze Reihe von behördlichen Vorgaben, die eingehalten werden müssen: die Maskenpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Abstandsregelungen und Höchstkapazitäten für Räumlichkeiten und Veranstaltungen. Das erfordert zwar einen hohen Aufwand, aber im Kern ist das nichts Neues: Hygiene hat in der Gastronomiebranche immer schon eine große Rolle gespielt.

Wichtiger erscheint mir, dass die Krise ist auch eine gute Möglichkeit bietet, um das eigene Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen. Man sollte genau hinschauen, welcher Geschäftsbereich tatsächlich funktioniert und was man wirklich mit Leidenschaft macht. Es ist besser, sich auf die eigenen Stärken zu fokussieren und die Marke zu schärfen als sämtliche Märkte bedienen zu wollen und eine Speisekarte mit 40 oder 50 Positionen vorzuhalten. Die Kraft, die man aus dem ziehen kann, was man leidenschaftlich macht, die schafft auch die Energie, den Marathon zu laufen, den wir noch absolvieren müssen.

Welche Rolle spielt eine Institution wie die Kreissparkasse Heinsberg?

Die Kreissparkasse ist ein lokal verwurzeltes Unternehmen, viele Betriebe und Dienstleister der Branche sind Kunde bei ihr. Das ist eine hervorragende Voraussetzung, um eine Plattform aufzubauen, auf der ein Austausch stattfinden kann darüber, wie es weitergeht. Es ist wichtig, dass wir die Netzwerke nicht nur branchenintern aufbauen, sondern auch darüber hinaus Gesprächspartner mit anderen Perspektiven suchen. Selbstreflexion ist wichtig, aber wir brauchen auch Rückmeldungen von außen.

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